Was ist überhaupt „Wirklichkeit“?

 
Ich bin sicher, du kennst das Werk von René Magritte, auf dem eine Pfeife zu sehen ist mit dem Schriftzug: „Ceci n’est pas une pipe.“ — „Das ist keine Pfeife.“
 
Als Magritte dieses Bild 1929 schuf, irritierte er damit viele Menschen. Denn natürlich glauben wir, eine Pfeife zu sehen.
 Und doch hat Magritte recht, denn was wir sehen, ist keine Pfeife, sondern lediglich die Darstellung einer solchen.
 
Man kann sie nicht anfassen.
Nicht stopfen.
Nicht rauchen.
 
Genau darin liegt die eigentliche Provokation dieses Werkes: Zwischen der Wirklichkeit selbst — und ihrer Darstellung — besteht ein Unterschied.
 
Ein Bild ist nicht das Objekt.
Ein Wort ist nicht das Ding selbst.
 
Aber ganz ehrlich: Wir verwechseln viel häufiger Darstellung und Wirklichkeit, als uns bewusst ist. Lass uns also Magrittes philosophischen Ansatz einen Schritt weiterdenken.
 
Wir sind umgeben von Darstellungen – über Bild und Wort:
Menschen, die scheinbar mühelos erfolgreich sind. Social-Media-Profile voller Schönheit, Klarheit und Leichtigkeit. Menschen, die funktionieren, leisten und stark wirken (selbst dann, wenn ihr Inneres längst erschöpft ist).
 
Und vielleicht vergessen wir dabei:
Auch das sind nur Ausschnitte.
Perspektiven.
Bilder.
 
Klar, nicht jede Darstellung ist eine bewusste Täuschung. Aber sie bleibt trotzdem eine Darstellung — und niemals die ganze Wirklichkeit eines Menschen. Vielleicht liegt genau darin eine wichtige Erkenntnis: Dass etwas echt wirken kann — ohne die ganze Wahrheit zu zeigen.
 
Wie hilfreich könnte diese Erkenntnis sein, wann immer wir Ent-Täuschung erleben oder beginnen, uns mit den Bildern anderer zu vergleichen?
 
Meine Erfahrung hat mich gelehrt:
Die Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Rollen und Wirklichkeit bringt uns nicht nur näher zu anderen Menschen — sondern auch näher zu uns selbst.

 

 

Hier noch ein kleinern - aber wesentlicher - Blick hinter die Kulissen:

Natürlich wollte ich ursprünglich das Original „La trahison des images“ von René Magritte verwenden, das heute im LACMA in Los Angeles zu sehen ist. Dann begann eine Auseinandersetzung mit Bildrechten und den Kosten, um das Werk hier ethisch korrekt zeigen zu dürfen.
 
Und ja — ironischerweise war genau das eine kleine Form der Ent-Täuschung.
 
Doch irgendwann wurde mir klar: Vielleicht passt meine selbstentworfene Version von „Ceci n’est pas un Magritte“ sogar besser zum Thema dieses Beitrags als das eigentliche Werk selbst, denn manchmal löst sich zuerst die Vorstellung davon auf, was wir zu brauchen glauben — bevor etwas Eigenes entstehen kann.
 
Und vielleicht beginnt genau dort etwas sehr Echtes.
 
Hast du Ähnliches auch schon erlebt?

Kunst weiterdenken

In meinen Resonanzräumen verbinde ich Kunstgeschichte mit psychologischen und gesellschaftlichen Fragen. Mich interessiert dabei nicht nur, was wir über ein Kunstwerk und seine Zeit erfahren können – sondern auch, was geschieht, wenn wir unsere eigenen Erfahrungen und Fragen mit in die Betrachtung bringen.

 

Vielleicht beginnt genau dort eine Begegnung mit Kunst, die über das reine Betrachten hinausgeht.

Was kann entstehen, wenn aus der Begegnung mit Kunst ein Weg wird?

Ein Weg, auf dem Kunst, Kultur und Geschichte nicht nur neue Perspektiven auf die Welt eröffnen – sondern auch auf dein eigenes Leben.

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