Ein bisschen persönlicher
Italien ist für mich weit mehr als ein Reiseziel. Mein Mann ist in Sizilien geboren, ich spreche die Sprache fließend und vieles, was ich mit Italien verbinde, ist längst Teil meines alltäglichen Lebens geworden: das Essen, die Menschen, Kunst und Geschichte und diese besondere Art, das Leben nach draußen zu verlagern. Mit unserem Zuhause in Assisi hat dieses Gefühl schließlich auch einen Ort bekommen.
Eigentlich bin ich ein ausgesprochen grundentspannter Mensch. Eine ganz andere Seite von mir zeigt sich aber an Formel-1-Wochenenden: Spätestens wenn ein Rennen startet, fährt mein Nervensystem hoch. Dass innerhalb unserer Familie auch noch unterschiedliche Rennställe angefeuert werden, sorgt dann doch oft dafür, dass im ansonsten ziemlich harmonischen Parisi-Leben hitzige Diskussionen entstehen.
Und falls ich als Kunsthistorikerin eine kleine fachliche Vorliebe gestehen darf: Ein Hoch auf die Renaissance. Das Mittelalter gehört – darf ich das öffentlich sagen? – nur bedingt zu meinen Leidenschaften. Wäre ich in der Renaissance geboren worden, sehe ich mich ziemlich eindeutig als Humanistin an einem italienischen Hof. Vorzugsweise in Florenz. Und zuständig dafür, Licht in die Sache zu bringen – welche Sache auch immer gerade der Aufklärung bedurft hätte.
Auf meinem Schreibtisch liegen immer mehrere Fachbücher gleichzeitig, in die ich mich vertiefe. Im Urlaub gilt eine andere Regel: ein Buch nach dem anderen, wenn möglich in der Originalsprache – und deshalb häufig auf Englisch. Ich liebe es, die unmittelbare Sprache eines Autors oder einer Autorin zu lesen. Und wenn ich schon viele Stunden meines Lebens mit einem Buch verbringe, dann sollte es wirklich ein gutes sein. Was das betrifft, bin ich äußerst wählerisch.
Mein Vorname Nadja bedeutet Hoffnung. Ich mag diesen Gedanken und habe ihn irgendwann zu einer Art persönlicher Verpflichtung gemacht: Auch dann nach Hoffnung zu suchen, wenn sie gerade nicht besonders offensichtlich ist. Seit einiger Zeit engagiere ich mich übrigens ehrenamtlich in der Krisenintervention. Einen Teil meines Wissens und meiner Erfahrung gerade dann unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, wenn ein Mensch eine seiner schwierigsten Stunden durchlebt, ist mir wichtig.
Ich mag lange Gespräche, wenn sie nicht geführt werden, nur um die Stille zu füllen. Menschen, die authentisch sind und für etwas brennen können. Gutes Essen, alte Städte und Abende, an denen niemand auf die Uhr schaut.
Und bei aller Freude an großen Fragen besteht mein eigenes Leben natürlich auch aus sehr alltäglichen Dingen: meiner wunderbaren Familie, unserem Hund Aristoteles, Plänen, die funktionieren, und Plänen, die nicht funktionieren – und vermutlich deutlich mehr Kaffee, als es für eine seriöse Selbstdarstellung von Vorteil wäre.
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