Erotik – eine Frage des Geschmacks? Teil 1

 
Wir leben in einer Zeit, in der wir täglich Bildern von nackten Körpern, Sexualität und Verführung begegnen. Und dennoch bleibt Erotik für viele Menschen ein sensibles Thema. Wie wir darüber denken und was wir als anziehend, schön oder tabu empfinden, wird nicht nur von persönlichen Erfahrungen geprägt, sondern auch von den kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Traditionen, in denen wir aufgewachsen sind.
 
Ein Blick in die Kunstgeschichte macht das sichtbar.
 
Auf barocken Stillleben begegnen uns häufig Austern. Sie galten als kostbare Delikatesse und wurden mit Sinnlichkeit und körperlichem Genuss verbunden. Gleichzeitig erinnert ihre geöffnete Form an die weibliche Vulva – eine Assoziation, die den Zeitgenossen kaum verborgen geblieben sein dürfte.
 
Warum aber dieser Umweg?
 
Obwohl Nacktheit in der Kunst des 17. Jahrhunderts durchaus vorkam, waren Erotik und insbesondere Sexualität gesellschaftlich stark tabuisiert. Vorstellungen von Moral, Scham und Anstand, die eng mit religiösen Traditionen verbunden waren, prägten das öffentliche Leben ebenso wie die Kunst.
 
Und dennoch wurde Erotik gezeigt, jedoch verschlüsselt. Sie sprach durch Symbole, Formen und visuelle Anspielungen, die von den Betrachtenden dechiffriert werden wollten.
 
Was mich an solchen Werken besonders fasziniert, ist jedoch nicht nur die Frage, was die Menschen damals darin gesehen haben. Spannend finde ich auch die Frage, was wir heute darin sehen:
 
Erkennst du die Anspielung der Auster sofort? Erscheint sie dir weit hergeholt? Und hat das für dich tatsächlich etwas mit Erotik zu tun?
 
Kunst erzählt nicht nur etwas über die Zeit, in der sie entstanden ist. Sie erzählt auch etwas über die Menschen, die sie betrachten. Über ihre Erfahrungen, ihre Werte, ihre Vorstellungen von Scham, Begehren und Schönheit.
 
 
 
Wenn also Erotik eine Frage des Geschmacks ist: Was wirkt auf dich erotischer – das Offensichtliche oder das, was erst entschlüsselt werden will?
 
 
Clara Peeters
Stillleben mit Fischen, Austern und Garnelen, ca. 1612–1615
Rijksmuseum, Amsterdam

Kunst weiterdenken

In meinen Resonanzräumen verbinde ich Kunstgeschichte mit psychologischen und gesellschaftlichen Fragen. Mich interessiert dabei nicht nur, was wir über ein Kunstwerk und seine Zeit erfahren können – sondern auch, was geschieht, wenn wir unsere eigenen Erfahrungen und Fragen mit in die Betrachtung bringen.

 

Vielleicht beginnt genau dort eine Begegnung mit Kunst, die über das reine Betrachten hinausgeht.

Was kann entstehen, wenn aus der Begegnung mit Kunst ein Weg wird?

Ein Weg, auf dem Kunst, Kultur und Geschichte nicht nur neue Perspektiven auf die Welt eröffnen – sondern auch auf dein eigenes Leben.

Ein humanistischer & holistischer Erfahrungsraum

The Art of Becoming

 Wenn du diesen Weg nicht nur in Gedanken weitergehen möchtest,

kann The Art of Becoming daraus eine persönliche Erfahrung machen

– individuell für dich kuratiert und psychologisch begleitet.

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