Du willst hoch hinaus? Aber wie viel Wachstum kannst du gerade tragen?
Wir leben in einer Zeit, in der Wachstum beinahe selbstverständlich positiv besetzt ist. Wir sollen uns weiterentwickeln, unsere Möglichkeiten ausschöpfen, erfolgreicher werden, mehr erreichen – und möglichst nicht dort bleiben, wo wir gerade sind.
Besonders sichtbar wird diese Vorstellung dort, wo persönliche oder berufliche Entwicklung versprochen wird: höherer Umsatz, größere Sichtbarkeit, mehr Erfolg – am besten möglichst schnell.
Dabei sprechen wir erstaunlich viel darüber, wie wir höher hinauskommen. Und vergleichsweise wenig darüber, was dieses Wachstum tragen soll.
Die gotischen Baumeister konnten sich diese Frage nicht ersparen.
Je höher ihre Kathedralen wurden, desto ausgeklügelter musste die Konstruktion sein, die ihre Lasten aufnehmen und die entstehenden Kräfte ableiten konnte. Das Streben nach oben war untrennbar mit der Frage verbunden, was diese Höhe überhaupt möglich machte.
Vielleicht lohnt es sich, Wachstum auch in unserem Leben einmal aus dieser Perspektive zu betrachten.
Denn jede Entwicklung bringt nicht nur Möglichkeiten mit sich, sondern kann auch neue Anforderungen erzeugen:
Mehr Verantwortung braucht Kapazität, größerer Erfolg vielleicht auch andere Strukturen. Eine Veränderung kann neue Grenzen notwendig machen. Und manches Ziel braucht Menschen, Wissen, Sicherheit oder Unterstützung, damit wir es nicht nur erreichen, sondern auch tragen können.
Die Frage muss deshalb nicht sein, ob du weniger wollen oder kleiner denken solltest.
Du darfst sehr hoch hinauswollen!
Aber neben der Frage „Wohin möchte ich wachsen?“ könnte eine zweite ebenso wichtig werden:
„Welche Konstruktion brauche ich, damit ich das, was dort auf mich wartet, auch tragen kann?“
Vielleicht liegt nachhaltiges Wachstum nicht darin, möglichst schnell höher zu kommen – sondern darin, die eigene tragende Konstruktion mitwachsen zu lassen.
Wie ist das bei dir – was braucht es, damit dein Wachstum auch tragfähig bleibt?
Kathedrale Notre-Dame de Reims, ab 1211
Reims, Frankreich
Kunst weiterdenken
In meinen Resonanzräumen verbinde ich Kunstgeschichte mit psychologischen und gesellschaftlichen Fragen. Mich interessiert dabei nicht nur, was wir über ein Kunstwerk und seine Zeit erfahren können – sondern auch, was geschieht, wenn wir unsere eigenen Erfahrungen und Fragen mit in die Betrachtung bringen.
Vielleicht beginnt genau dort eine Begegnung mit Kunst, die über das reine Betrachten hinausgeht.
Was kann entstehen, wenn aus der Begegnung mit Kunst ein Weg wird?
Ein Weg, auf dem Kunst, Kultur und Geschichte nicht nur neue Perspektiven auf die Welt eröffnen – sondern auch auf dein eigenes Leben.